Hufrehe

Veröffentlicht am 27.02.2026 Uhr


Liebe Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer,

als Ihr Hufschmied stehe ich Ihnen und Ihren Pferden mit Rat und Tat zur Seite. Ein Thema, das uns alle immer wieder beschäftigt und große Sorgen bereitet, ist die Hufrehe. Diese schmerzhafte Erkrankung kann die Lebensqualität unserer Pferde massiv beeinträchtigen und stellt uns vor große Herausforderungen.

In diesem Blogbeitrag möchte ich Ihnen einen umfassenden Überblick über Hufrehe geben: Was ist das eigentlich genau? Welche Ursachen stecken dahinter? Wie erkennen Sie die Symptome frühzeitig? Und was können Sie tun, um Ihrem Pferd zu helfen und zukünftigen Reheschüben vorzubeugen?

Was ist Hufrehe eigentlich?

Hufrehe, medizinisch auch „Laminitis“ genannt, ist eine entzündliche Erkrankung der Huflederhaut. Die Huflederhaut ist das empfindliche Gewebe, das den Hufknochen mit der Hornkapsel verbindet. Diese Verbindung besteht aus unzähligen feinen Lamellen, die wie ein Klettverschluss ineinandergreifen.

Bei Hufrehe kommt es zu einer Entzündung und Schädigung dieser Lamellen. Dadurch lockert sich die Verbindung zwischen Hufknochen und Hornkapsel. Im schlimmsten Fall kann sich der Hufknochen innerhalb der Hornkapsel absenken oder sogar rotieren – ein extrem schmerzhafter und gefährlicher Zustand, der als Hufbeinrotation oder -absenkung bezeichnet wird.

Ursachen: Warum bekommt ein Pferd Hufrehe?

Die Ursachen für Hufrehe sind vielfältig und oft komplex. Man spricht von einem multifaktoriellen Geschehen, das bedeutet, dass meist mehrere Faktoren zusammenkommen. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Fütterungsrehe (die häufigste Form):
    • Zu viel Zucker und Stärke: Insbesondere im Frühjahr und Herbst kann junges, üppiges Gras sehr viel Fruktan (eine Zuckerart) enthalten. Aber auch zu große Mengen an Kraftfutter, Getreide oder plötzliche Futterumstellungen können eine Rehe auslösen. Der Darm wird überfordert, es entstehen Giftstoffe, die über die Blutbahn in die Hufe gelangen und dort die Lederhaut schädigen.
    • Übergewicht/Adipositas: Stark übergewichtige Pferde sind anfälliger, da ihr Stoffwechsel bereits überlastet ist.
  • Belastungsrehe:
    • Einseitige Überlastung: Intensive Arbeit auf hartem Boden, lange Transporte ohne ausreichende Pausen oder auch Lahmheiten an einem Bein, die das gegenüberliegende Bein überlasten, können zu einer Rehe führen.
    • Unzureichender oder schlecht angepasster Hufschutz: Ein unpassender Beschlag oder ungenügende Bearbeitung kann ebenfalls Druck auf die Lederhaut ausüben.
  • Vergiftungsrehe:
    • Aufnahme giftiger Pflanzen: Eiben, Ahorn, Eicheln oder andere toxische Pflanzen können Hufrehe verursachen.
    • Koliken oder schwere Infektionen: Entzündliche Prozesse im Körper können Giftstoffe freisetzen, die die Huflederhaut angreifen.
  • Medikamenteninduzierte Rehe:
    • Die Gabe bestimmter Medikamente, insbesondere Kortikosteroide, kann in seltenen Fällen Rehe auslösen oder verschlimmern.
  • Hormonelle/Stoffwechselbedingte Rehe:
    • EMS (Equines Metabolisches Syndrom): Eine Stoffwechselstörung, die mit Insulinresistenz einhergeht und das Risiko für Hufrehe massiv erhöht.
    • ECS (Equines Cushing Syndrom): Eine Hormonstörung, die ebenfalls zu erhöhter Anfälligkeit für Hufrehe führt.

Symptome: Wie erkenne ich Hufrehe?

Die Symptome können variieren, je nach Schweregrad der Rehe. Wichtig ist, auch auf die kleinsten Anzeichen zu achten, um schnell handeln zu können:

  • Typische „Sägebockhaltung“: Das Pferd stellt die Vorderbeine weit nach vorne, um den Druck von den schmerzenden Zehen zu nehmen, und belastet die Hinterbeine stärker. Bei Rehe an allen vier Hufen kann es eine enge Stellung der Vorderbeine zeigen.
  • Kurze, trippelnde Gänge: Das Pferd geht widerwillig, als ob es auf Eiern läuft. Besonders im Wendekreis sind die Schritte sehr kurz und steif.
  • Fieber in den Hufen: Die Hufwände fühlen sich warm bis heiß an.
  • Starke Pulsation der Zehenarterien: Diese sind seitlich am Fesselkopf tastbar und fühlen sich bei Rehe deutlich pochend an.
  • Druckempfindlichkeit der Sohle: Das Pferd reagiert schmerzhaft, wenn man Druck auf die Sohle im Zehenbereich ausübt.
  • Apathie, Schwitzen, erhöhte Herzfrequenz: Allgemeine Krankheitsanzeichen können hinzukommen.
  • Bei chronischer Rehe: Verbreiterung der weißen Linie, Ringbildung an der Hornwand (Reheringe), Verformung der Hufkapsel („Schnabelschuhe“ oder „Entenschuhe“).

Wichtig: Bei dem kleinsten Verdacht auf Hufrehe: SOFORT den Tierarzt und mich als Ihren Hufschmied verständigen! Jede Stunde zählt!

Was tun im Akutfall?

Handeln Sie schnell und besonnen:

  • Tierarzt rufen: Die oberste Priorität ist die schnelle Schmerzlinderung und Eindämmung der Entzündung. Der Tierarzt wird schmerz- und entzündungshemmende Medikamente verabreichen und eventuell weitere unterstützende Maßnahmen einleiten.
  • Boxenruhe: Das Pferd muss sofort auf weichen Untergrund (tief eingestreute Box) und darf nicht mehr bewegt werden. Jede Bewegung erhöht den Druck auf die geschädigte Lederhaut.
  • Kühlen, Kühlen, Kühlen: Kühlen Sie die betroffenen Hufe intensiv mit kaltem Wasser (Wasserschlauch, Eispacks oder spezielle Rehe-Bäder). Dies hilft, die Entzündung einzudämmen und Schmerzen zu lindern. Kühlen Sie mindestens 24-48 Stunden lang, so oft und so lange wie möglich.
  • Diät: Sofortige Futterumstellung auf Heu (gewässert, um Zucker zu reduzieren) und Wasser. KEIN Kraftfutter, KEIN frisches Gras!
  • Hufschmied informieren: Ich muss die Hufe beurteilen und gegebenenfalls den Hufschutz anpassen oder therapeutische Beschläge anbringen, um den Hufknochen zu stabilisieren und den Druck von der Zehe zu nehmen.

Die entscheidende Rolle der Hufbearbeitung und spezieller Beschläge bei Hufrehe

Als Ihr Hufschmied ist mein Beitrag bei der Behandlung und Prävention von Hufrehe von fundamentaler Bedeutung. Mein Hauptziel ist es, die biomechanischen Verhältnisse im Huf so zu verändern, dass der Schmerz gelindert, die Heilung gefördert und eine weitere Absenkung oder Rotation des Hufbeins verhindert wird.

Hier kommen spezielle Techniken der Hufbearbeitung und des Beschlags zum Einsatz:

  • Im Akutfall: Druckentlastung und Stabilisierung
    • Therapeutische Beschläge: In enger Absprache mit dem Tierarzt kommen spezielle Rehe-Eisen oder offene Eisen zum Einsatz. Diese sind oft so geformt, dass sie den Druck von der schmerzenden Zehe nehmen und auf die stabileren Bereiche des Hufes, wie die Trachten und den Strahl, verlagern. Dies kann durch eine „Ei-Form“ oder spezielle „Rehe-Sohlen“ mit Polsterungen geschehen.
    • Keile: Manchmal ist es sinnvoll, die Trachten leicht zu erhöhen (mit Keilen oder speziellen Eisen), um die Zugspannung der tiefen Beugesehne zu reduzieren. Diese Sehne setzt am Hufbein an und kann bei starker Spannung das Hufbein weiter nach unten ziehen und rotieren. Eine leichte Erhöhung kann hier Entlastung schaffen.
    • Polsterungen und Verbände: Weiche Polsterungen unter dem Huf oder spezielle Rehe-Verbände können helfen, den Druck gleichmäßig zu verteilen und zusätzlichen Komfort zu bieten.
  • Die Bedeutung der Zehenrichtung: Kürzen und Einschneiden
    • Ein zentraler Aspekt der Rehe-Hufbearbeitung ist die Anpassung der Zehenlänge und -richtung. Bei vielen Rehe-Pferden ist die Zehe aufgrund der chronischen Belastung und des Wachstums aus dem Lot oft zu lang oder „schnabelig“.
    • Zehen kürzen: Das vorsichtige Kürzen der Zehe ist oft notwendig, um den Hebelarm, den die Zehe auf das Hufbein ausübt, zu verkürzen. Eine lange Zehe wirkt wie ein Brecheisen auf das Hufbein und verstärkt die Absenkung oder Rotation. Durch das Kürzen wird der Druck auf die Lederhaut im Zehenbereich reduziert und die Hebelwirkung minimiert.
    • Zehen einschneiden / „Mustang Roll“: Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, die äußere Hornwand im Zehenbereich „einzuschneiden“ oder stark zu verrunden (bekannt als „Mustang Roll“ oder „Natural Balance Trimming“). Dies bedeutet, dass die Kante der Zehe sehr stark abgerundet wird, sodass das Pferd leichter über die Zehe abrollen kann. Dieser „Roll-Over“-Effekt verringert ebenfalls den Hebelarm und die Belastung auf die schmerzhafte Lederhaut im vorderen Hufbereich. Es fördert ein früheres Abfußen und entlastet so die geschädigte Zehenregion.
    • Wichtiger Hinweis: Diese Bearbeitung erfordert höchste Präzision und Fachkenntnis. Ein zu aggressives Kürzen oder Einschneiden kann die Situation verschlimmern. Es geht darum, das richtige Maß zu finden, um Entlastung zu schaffen, ohne die Stabilität des Hufes zu gefährden.
  • Langfristige Begleitung und Management:
    • Auch nach dem Akutstadium ist die regelmäßige und präzise Hufbearbeitung entscheidend. Reheringe, verzogene Hornwände und eine verbreiterte weiße Linie müssen kontinuierlich bearbeitet werden, um den Huf wieder in eine gesunde Form zu bringen.
    • Ich überwache die Entwicklung des Hufes genau und passe den Beschlag oder die Barhufbearbeitung kontinuierlich an die Heilungsfortschritte und die individuellen Bedürfnisse Ihres Pferdes an. Ziel ist es, den Hufknochen wieder in die richtige Position zu bringen und eine stabile, tragfähige Hornkapsel aufzubauen.
    • Ich berate Sie gerne hinsichtlich passender Beschlagsformen (z.B. spezielle Aluminiumbeschläge für geringeres Gewicht, wenn nötig) oder einer angepassten Barhufbearbeitung, um zukünftigen Problemen vorzubeugen und die Hufgesundheit langfristig zu sichern.

Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Pferdebesitzer, dem Tierarzt und mir als Ihrem Hufschmied ist bei Hufrehe von unschätzbarem Wert. Nur durch eine koordinierte Therapie und angepasste Hufpflege können wir Ihrem Pferd die bestmögliche Chance auf Genesung und ein schmerzfreies Leben ermöglichen.

Vorbeugung ist der beste Schutz!

Die beste Hufrehe ist die, die gar nicht erst entsteht! Hier sind die wichtigsten Präventionsmaßnahmen:

  • Achten Sie auf die Fütterung:
    • Langsam anweiden im Frühjahr und Herbst.
    • Heu als Hauptfutter (ca. 1,5-2 kg pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes).
    • Kraftfutter nur nach Bedarf und in angepassten Mengen.
    • Vermeiden Sie plötzliche Futterumstellungen.
    • Achten Sie auf Giftpflanzen auf Weiden und im Heu.
  • Gewichtsmanagement: Halten Sie Ihr Pferd schlank! Übergewicht ist ein großer Risikofaktor. Regelmäßige Bewegung hilft dabei.
  • Regelmäßige Hufpflege: Egal ob beschlagen oder barhuf – regelmäßige, fachgerechte Hufbearbeitung durch mich ist essenziell, um Ungleichgewichte zu vermeiden und die Hufgesundheit zu fördern.
  • Bewegung und Haltung: Sorgen Sie für ausreichende, angepasste Bewegung auf geeigneten Böden.
  • Stoffwechselerkrankungen im Blick behalten: Lassen Sie Ihr Pferd regelmäßig tierärztlich untersuchen, besonders wenn es Anzeichen für EMS oder ECS zeigt. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann Reheschübe verhindern.
  • Stress vermeiden: Stress kann das Immunsystem schwächen und indirekt zu Hufrehe beitragen.

Fazit

Hufrehe ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die das Leben Ihres Pferdes stark beeinflussen kann. Doch mit Wissen, schnellem Handeln und einer engen Zusammenarbeit zwischen Pferdebesitzer, Tierarzt und Hufschmied können wir die Chancen auf eine Genesung maximieren und zukünftigen Reheschüben effektiv vorbeugen.

Zögern Sie nicht, mich bei Fragen oder Unsicherheiten jederzeit anzusprechen. Ich bin für Sie da, um die Hufe Ihres Pferdes gesund zu halten!


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