Ein stilles Risiko mit schweren Folgen: Worauf wir bei der Sedierung (Spritze & Paste) von Wallachen und Hengsten achten müssen!
Veröffentlicht am 27.02.2026 Uhr

Wir schreiben diesen Beitrag aus einem sehr traurigen Anlass. Vor Kurzem haben wir ein geliebtes Kundenpferd verloren. Dieser Verlust schmerzt besonders, weil er durch einen tragischen Unfall während eines eigentlichen Routine-Termins passierte: der Hufbearbeitung. Wir möchten diesen Verlust nicht umsonst geschehen lassen, sondern aufklären.
Es geht um ein spezielles Risiko bei der Sedierung von männlichen Pferden, das viele nicht auf dem Schirm haben weil man daran kaum denkt: Verletzungen des ausgeschachteten Penis beim Aufstehen.
Egal ob Spritze oder Paste: Die Gefahr der Entspannung
Um dem Schmied und dem Pferd die Arbeit zu erleichtern, ist eine Sedierung oft notwendig. In unserem Fall wurde eine Sedierungspaste verwendet. Oft herrscht der Irrglaube, Pasten seien „schwächer“ oder ungefährlicher als die Injektion vom Tierarzt. Doch dieser Unfall zeigt schmerzlich: Das Risiko für die folgende Verletzung ist bei beiden Formen identisch.
Wenn ein Pferd sediert wird (egal ob oral oder per Spritze), entspannt sich die gesamte Muskulatur. Bei männlichen Pferden betrifft dies auch den Musculus retractor penis, der den Schlauch normalerweise in der Tasche hält. Die Folge: Der Penis schachtet aus und hängt schlaff herab. Das ist physiologisch normal.
Der kritische Moment beim Hufschmied
Zum Problem wird dieser Zustand, wenn das Pferd das Gleichgewicht verliert. Gerade bei der Hufbearbeitung, wenn das Pferd auf drei Beinen stehen muss, kann die durch die Sedierung verursachte Koordinationsstörung (Ataxie) dazu führen, dass das Pferd stürzt oder sich kontrolliert hinlegt.
In unserem Fall legte sich das Pferd ab. Die tödliche Gefahr lauerte beim Aufstehen: Wenn ein Pferd aus der Seitenlage wieder auf die Beine will, ist das ein kraftvoller Vorgang. Es zieht die Hinterbeine ruckartig unter den Bauch, um sich hochzustemmen. Ist der Penis zu diesem Zeitpunkt durch die Sedierung noch voll ausgeschachtet, kann er buchstäblich unter die Hufe kommen.
Tritt das Pferd sich beim Aufstehversuch selbst auf den Penis, entstehen massive Quetschungen. Da dieses Gewebe extrem stark durchblutet ist und die Harnröhre hindurchführt, waren die Folgen in unserem Fall katastrophal:
- Massive innere und äußere Verletzungen: Risse der Harnröhre und schwere Gewebeschäden.
- Der Ausgang: Trotz sofortiger Hilfe waren die Verletzungen so schwerwiegend, dass dem Pferd nicht mehr geholfen werden konnte.
Was können wir tun? Achtsamkeit rettet Leben
Wir bitten alle Pferdebesitzer, bei Sedierungen von Wallachen und Hengsten – egal ob der Tierarzt gespritzt hat oder eine Paste gegeben wurde – besonders wachsam zu sein:
- Beobachtung ist alles: Lasst ein sediertes Pferd niemals unbeaufsichtigt.
- Wenn er liegt, schaut hin: Sollte sich euer Wallach oder Hengst hinlegen, kontrolliert vor dem Aufstehen zwingend die Position des Schlauchs.
- Eingreifen: Liegt der Penis ungeschützt am Boden oder „im Weg“ der Hinterbeine, darf das Pferd nicht zum Aufstehen animiert werden. Wartet, bis er ihn etwas zurückzieht, oder schützt das Gewebe manuell, bevor das Pferd die Hinterbeine anzieht.
- Nicht hetzen: Ein taumelndes Pferd nicht hektisch hochjagen.
Wir sind in Gedanken bei den Besitzern, die diesen Verlust erleiden mussten. Bitte teilt dieses Wissen, damit wir gemeinsam unsere Pferde – ob mit Spritze oder Paste – besser schützen können.
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